Ein Blick zurück - Zur Geschichte des Homann Areals
Festschmuck anlässlich des 50-jährigen Jubiläums (Quelle: Heimatverein Dissen)
Über mehr als ein Jahrhundert hinweg war das Gelände eng mit der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung Dissens verknüpft. Im Jahr 1876 gründete der 28-jährige Heinrich-Friedrich „Fritz“ Homann hier seine „Westfälische Wurst- und Fleischwarenfabrik“. Bereits kurze Zeit später ergänzte eine Molkerei den Betrieb und 1882 begann Homann mit der Herstellung von Margarine – einem damals neuartigen Produkt, das maßgeblich zum Wachstum des Unternehmens beitrug.
Um 1900 hatte sich der Standort bereits erheblich erweitert. Zum 25-jährigen Firmenjubiläum umfasste das Werk weitläufige Fabrikanlagen mit Dampfmaschinen und elektrischen Antrieben. 1905 erhielt das Gelände einen eigenen Gleisanschluss vom Bahnhof Dissen-Bad Rothenfelde, was die logistische Anbindung deutlich verbesserte. Anfang der 1920er Jahre entstand hier eine der modernsten Anlagen Deutschlands zur Verarbeitung von Pflanzenölen zu Margarine. Mit einer eigenen Raffinerie sicherte sich das Unternehmen zudem größere Unabhängigkeit in der Rohstoffversorgung.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erweiterte Homann sein Portfolio um die Produktion von Mayonnaise. 1956 kamen Feinkostsalate, Remouladen, Dressings und Saucen hinzu, bevor 1961 ein separates Feinkostwerk in Dissen eröffnet wurde. Der Standort blieb über Jahrzehnte ein bedeutender Arbeitgeber der Region. Im Jahr 2011 übernahm die Unternehmensgruppe Theo Müller den Betrieb.
Ende Juni 2017 entschied der Aufsichtsrat der Theo-Müller-Gruppe, den traditionsreichen Stammsitz in Dissen aTW bis 2020 aufzugeben und die Produktion in einem Neubau im sächsischen Leppersdorf zu bündeln. Auch weitere Werke sollten im Zuge dieser Konzentration geschlossen werden. Von den Planungen waren rund 1.550 Mitarbeitende betroffen, davon etwa 1.000 in Dissen.
Nach Bekanntwerden dieser Absichten begann die Stadt Dissen aTW frühzeitig, mögliche Handlungsoptionen zu prüfen, um die wirtschaftlichen und städtebaulichen Folgen abzufedern. So wurde unter anderem kurzfristig ein etwa 20 Hektar großes Grundstück im Industriegebiet Dissen-Süd an der A33 für eine mögliche Werkserweiterung bereitgestellt. Parallel beauftragte die Stadt ein Planungsbüro mit der Erarbeitung eines Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) sowie vorbereitender Untersuchungen für das Homann Areal. Ziel war es, die Grundlage für eine Aufnahme in das Städtebauförderungsprogramm von Bund und Land Niedersachsen zu schaffen.
Im Frühjahr 2018 wurden die Arbeiten am ISEK zunächst unterbrochen, nachdem die Unternehmensgruppe Theo Müller zwischenzeitlich entschieden hatte, den Standort in Dissen aTW weiterzuführen. Mit dem erneuten Beschluss der Theo-Müller-Gruppe, den Standort Ende 2022 endgültig zu schließen, entstand jedoch wieder akuter Handlungsbedarf. Die Stadt nahm den begonnenen ISEK-Prozess erneut auf und bereitete die Antragstellung für das Städtebauförderungsprogramm vor.
Um die Entwicklung des rund 13 Hektar großen Geländes aktiv zu gestalten, beauftragte die Stadt Dissen aTW die Osnabrücker Land-Entwicklungsgesellschaft mbH (oleg) mit dem Erwerb des Betriebsgeländes. Gemeinsam mit der Stadt soll das Areal in den kommenden Jahren schrittweise revitalisiert und einer neuen Nutzung zugeführt werden.



